Geburtsbericht
Es begann alles einen Tag zuvor. Es war der 20.08.2009, ein sehr heißer Tag. In der Nacht darauf sollte es einen Wetterumschwung geben- Blasensprungwetter. An dem besagten heißen Donnerstag hat mein Verlobter unser Auto verkauft- wir waren also autolos. Und ich hatte schlechte Laune. Ich ging also früh ins Bett um dem ein Ende zu setzen und dachte mir beim einschlafen “Baby, bitte komm heute Nacht!”. Mein Verlobter erzählte mir später, dass er sich dachte: “Mist, unser Baby kommt heute und wir haben kein Auto!”.
Irgendwann um Mitternacht herum kam mein Verlobter ins Schlafzimmer und ich fragte ihn wie spät es sei. Er antwortete mir und ich dachte mir: “Oh nein, unser Baby kommt doch nicht heute!”
Um kurz vor 1 Uhr wachte ich nochmal auf und sagte zu meinem Verlobten: “Ich bin irgendwie nass, ich gucke mal.” Die Flüßigkeit kam zunächst schwallartig, hörte dann aber plötzlich wieder auf. Ich rief also im Krankenhaus an und die diensthabende Hebamme antwortete mir genervt:” Kann ich ihnen nicht sagen, ob es Fruchtwasser ist, da müssen sie vorbeikommen!” Ich war mir unsicher und fragte um 0:50 im Urbia- Forum was es sein könnte. Die netten Mitschwangeren rieten mir ins Krankenhaus zu fahren und wünschten mir viel Glück. (Später druckte mein Verlobter mir diese Diskussion aus.)
Nun hatten wir aber kein Auto mehr und mit dem Taxi wollte ich nicht fahren, da mir das ganze dann zu offiziell wurde und ich ja davon ausging, dass wir gleich wieder nach Hause fahren würden. Eigentlich wollten wir niemanden verraten wenn wir ins Krankenhaus fahren würden. Leider mussten wir dann doch den Bruder meines Verlobten anrufen (der lange Zeit nicht ranging), um uns sein Auto zu leihen. Auf den Weg ins Krankenhaus kam immer mehr Flüßigkeit, Wehen setzen aber nicht ein.
Im Krankenhaus erwartete man uns schon. Es wurde noch ein letzter Ultraschall gemacht, ich musste eine Fruchtwasserprobe abgeben und war ewig am CTG. Die Hebamme bestätigte uns, dass Fruchtwasser abgegangen war. Mir war aber schon klar, dass wir bleiben würden, da ich schon zeichnete.
Als nächstes mussten wir mit der Hebamme aushandeln (!), dass wir noch etwas spazieren gehen durften, bevor ich auf Station schlafen und mein Verlobter nach Hause zu fahren sollte, um dann nach 2 Stunden wiederzukommen. Der Spaziergang war auch nur sehr kurz, da es anfing zu regnen.
Ich weiß nicht, ob ich auf Station geschlafen habe aber ich spürte schon regelmäßig die Wehen. Ich wurde dann doch schon früher zum CTG bestellt. Auf dem Weg merkte ich, dass mir das Gehen noch sehr gut tat.
Ich war dann also wieder ewig am CTG und mein Verlobter kam dann endlich, wurde aber weggeschickt, da er für 15 Minuten was essen sollte. Währenddessen war ich so vom CTG genervt, dass ich der Hebamme sagte, dass ich nicht mehr liegen, sondern mich noch bewegen wollte. Die Hebamme meinte: “Ja klar, wenn ihr Mann kommt.” Da er aber weggeschickt wurde, dauerte es also für mich ewig bis er kam. Die Hebamme stellte fest, dass ich wohl nicht mehr gehen konnte, was auch stimmte und ich verlangte nach der PDA. Den Zettel konnte ich dafür nicht mehr ausfüllen.
Als mein Verlobter dann kam, fuhr ich ihn an, wo er denn so lange gewesen sei, denn ich wollte noch etwas gehen und nun möge er den Zettel für die PDA ausfüllen. Er konnte natürlich nichts dafür, da er ja weggeschickt wurde und er gar nicht weggehen wollte. Für mich kam das Ausfüllen wie eine Ewigkeit vor.
Von da an kann ich nichts mehr in eine richtige Reihenfolge bringen. Ich weiß, dass ich ständig die Hand meines Verlobten weggeschlagen habe, ich habe Zäpfchen bekommen, ich wurde umgezogen.
Wir gingen rüber in den Kreißsaal. Da wurde ich wegen der PDA belehrt. Es dauerte sehr lange bis der Arzt mit der PDA kam. Es gab einen Streit zwischen meinem Verlobten und dem Arzt, da mein Verlobter zuerst während die PDA gelegt werden sollte, dabei bleiben durfte, doch dann hieß es plötzlich, er solle rausgehen. Ich verkrampfte deshalb so sehr, dass die PDA nicht saß und ein anderer Arzt wurde gerufen. Die Betäubung saß nur einseitig, mir wurde aber versichert, dass sie bald auf die andere Seite fließen würde, was aber nicht geschah. Ich hatte während der Wehenpausen trotzdem Schmerzen. Entweder am Steißbein oder am Schambein oder beides, jenachdem wo das Baby gerade war. Mein Verlobter sollte mit aller Kraft gegen mein Steißbein drücken, was mir sehr gut tat.
Da Luana nicht in das Becken rutschen wollte, sollte ich die verschiedensten Positionen ausprobieren. Sehr nett fand ich den Vierfüßlerstand mit betäubten Beinen. Mein Verlobter machte mir kalte Umschläge auf die Stirn, die jedoch zuerst zu warm waren. Ich weiß noch, dass ständig Fieber gemessen wurde, auch während der Wehen.
Irgendwann waren die Schmerzmittel so stark, dass es mir relativ gut ging und ich wieder scherzen konnte. Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass alle rausgegangen sind und eine Putzfrau im Kreißsaal um mich herum geputzt hat.
Auf jeden Fall war der Muttermund schon länger als 1 Stunde komplett und das Baby immer noch nicht im Becken. Also kam die Oberärztin mit ihren Bauarbeitersprüchen- eine durchaus unsympathische Persönlichkeit. Nachdem ich mit meinem Verlobten das Pressen geübt habe, kam die schönste Zeit der Geburt- die Presswehen.
Okay, ich gebe zu, ich habe keine Presswehe gespürt. Ich habe versucht zu schummeln und auf das CTG geschielt um die Wehen zu erahnen, wurde aber ertappt. Ich hatte etwas Angst vor der Oberärztin, deshalb nahm ich meine ganze Kraft und presste was das Zeug hielt. Es hieß plötzlich es sei ein Sternengucker und die Zange wurde gezuckt. Es waren so viele Menschen zu der Zeit in dem Kreißsaal. Irgendwer schmiss sich auf meinen Bauch und mein Verlobter hielt meinen Kopf hoch und plötzlich schrie Luana.
Wir hatten beide Tränen in den Augen.
Ich fragte meinen Verlobten, ob es tatsächlich ein Mädchen sei und ob alle Fingerchen dran seien.
Luana wurde untersucht und ich musste meinen Verlobten immer wieder auffordern, dass er den Hebammen auf die Finger schauen und nicht bei mir bleiben sollte.
Danach hielten wir uns noch ca. 2 Stunden im Kreißsaal auf und empfingen dort schon unseren ersten Besuch.
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